Diemedienwg’s Weblog


Ende der Welt?! by cloemi
Oktober 21, 2008, 12:17 am
Filed under: Bloging Finland

Seit Samstag bin ich zurück von unserer großen Tour. Was soll ich sagen. Es war einfach unbeschreiblich. Über 3100 Kilometer sind wir gefahren. In sechs verschiedenen Unterkünften haben wir geschlafen. Drei Länder haben wir bereist, den Weihnachtsmann besucht und eine Landschaft erleben dürfen, die sich leider nicht in Bilder verpacken lassen will.

Los ging alles am Samstag vor einer Woche. Nachdem wir uns alle am Bahnhof getroffen hatten ging es los zum ersten Ziel der Reise – Oulu. Nach etwa 6 Stunden erreichten wir die nördlichste Großstadt Nordeuropas, wo wir ein Cottage direkt an der Ostsee bezogen. Aber wer gehörte mal wieder zu unseren Nachbarn? Richtig, Deutsche, auch noch aus Sachsen und Aue Fans. Naja, wir waren ja zum Glück nur auf der Durchreise. Nachdem wir vom Strand aus den Blick auf die bezaubernden rauchenden Schlote in der Umgebung genossen hatten ging es schließlich in die Innenstadt. Die präsentierte sich wie jede normale finnische Stadt an einem Samstagabend. Überall Leute, die kaum noch geradeaus laufen können und Security vor jeder Bar und jedem Club. Wie entschieden uns schließlich fürs 45 Special, ein ziemlich angenehmer rockiger Laden über mehrere Etagen der an diesem Abend eine Wahlveranstaltung. Wahlveranstaltung heißt hier anscheinend: es spielen Bands und ab und an kommt die eine Kandidatin auf die Bühne und sagt die Bands an, singt selbst mit oder tanzt zu den Ska-Rythmen mit dem Publikum – nah am Volk also.

Sonntags hatten wir dann noch etwas Zeit, uns die Stadt bei Tageslicht anzuschauen. Während sich unsere deutschen Nachbarn in Nationalmanschaftstrainingsjacke auf der Terasse das erste Bier um 11 in den Hals stellten verließen wir unser tolles Cottage Richtung Keskusta (Zentrum auf finnisch). Dort machte sich ein seltsam beißender Geruch in der ganzen Stadt breit. Die rauchenden Schlote vom Stadtrand prägten also nicht nur visuell das Stadtbild. Daher ging unsere Reise auch bald weiter nach Rovaniemi.

Dort kamen wir nach gemütlicher 3dreistündiger Fahrt an. Rovaniemi – Heimatstadt von Lordi und dem Weihnachtsmann. Die letzte Festung der Zivilisation bevor es in den Norden geht. Ein letztes Mal noch McDonalds (der nördlichste der Welt übrigens), Bars, Clubs und Deutsche – dachten wir zumindest. Gleich am Hostel zeigte sich eine deutsches Kennzeichen am Auto vor uns. Natürlich mal wieder Sachsen und auch noch ausm Voigtland. Die Highlights des Abends waren dann eigentlich nur Essen fassen und das Planen des nächsten Tages. Dieser beinhaltete außer weiter nordwärts fahren auch einen Besuch im Dorf des Weihnachtsmanns. Dort gab es nebem dem Polarkreis und viel überteuerten Weihnachtskitsch auch die Möglichkeit, den Weihnachtsmann persönlich zu treffen – umsonst. Coole Sache dachten wir, nur Fotos machen war leider verboten. Das Treffen war dann zwar „pompös“ aufgezogen aber nicht viel mehr als ne Fragestunde nach Namen und Herkunft (wie hat der mich die ganzen Jahre bisher gefunden) und einem Gruppenfoto. Dieses konnte man dann erwerben – zu horrenden Preisen. Wir haben dankend abgelehnt und sind weiter nach Muonio gezogen.

Dort erwartete uns wieder ein kleines Cottage in einem Ort, der außer vier Supermärkten nicht viel zu bieten hatte. Eine Besonderheit war die nur 2 km entfernte Grenze zu Schweden. Dies nutzten Filipa und ich für einen 2 minütigen Ausflug ins Nachbarland. Mehr als eine endlos scheinende Straße und viele Bäume gabs da aber nicht. Immerhin können wir jetzt behaupten, in 3 verschiedenen Ländern gewesen zu sein. Der Hauptteil des Abends bestand dann aus der Suche nach Nordlichtern. Leider war vergangene Woche aber gerad Vollmond und durch die recht starke Bewölkung war so gut wie nix zu sehen. Am Tag zuvor hatte uns noch ein anderer Hostelbesucher Bilder auf seiner Kamera gezeigt, die eine paar schöne Exemplare zeigten. Er meinte aber auch, dass sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen seien.

Dienstag sollte es dann schließlich nach Norwegen gehen. Da es dort bekanntlich noch teurer als in Finnland zugeht, versorgten wir uns noch einmal mit Essen und Getränken für die nächsten Tage und tankten das Auto randvoll. Die folgende siebenstündige Fahrt war einfach atemberaubend. Die Bäume am Straßenrand wurden immer kleiner und die ganze Landschaft wurde weiter. Da wir das Skandinavische Gebirge überqueren mussten, sanken die Temperaturen erstmals unter null Grad und die ersten zugefrorenen Seen wurden sichtbar. Die ganze Landschaft wurde sehr grau. Dann kamen wir zur Küste wieder in tiefere Regionen mit viel grünem Nadelwald um schließlich auf dem Weg zum Nordkapp weite Steinwüsten zu passieren. Die letzten 100 km zur Insel Magerøya, auf der sich das Nordkapp befindet, führten dann entlang der Küste. Rechts von uns die Barentsee (die auch schonmal auf die Straße schwabbte) und links von uns hohe Felsen. Um schließlich auf die Insel zu kommen musste der Nordkapptunnel durchfahren werden. Die Tunnel sind in Norwegen allerdings etwas anders, als man das sonst gewöhnt ist. Einmal gibt es nur eine Röhre für den Verkehr und die Wände sind nicht verputzt sondern man sieht noch richtig den Felsen. Speziell der Nordkapptunnel führt dann auch noch mit 9% Steigung direkt nach unten, wobei es an der tiefsten Stelle mit über 200m unter dem Meerespiegel auch schonmal gern zu Nebel kommt. Auf alle Fälle ein seltsames Gefühl und nichts für Klaustrophobiker.

Auf der Insel angekommen und nach dem Bezahlen der Tunnelmaut ging es direkt zu unserem Motel in Skarsvag. Einem kleinen Ort ohne Supermarkt oder Tankstellen. Dafür einem kleinen Hafen und einem großem Nichts drumherum. Tags darauf ging es dann zum vielbesagten und nur noch 15km entfernten Nordkapp. Da wir außerhalb der Saison reisten mussten wir zum Glück den Parkplatz nicht bezahlen und auch sonst war tote Hose. Wir waren das einzige Auto und außer ein paar norwegischen Bauarbeitern, die an der geschlossenen Empfangshalle rumbudelten war alles wie ausgestorben. Wir haben erstmal die typische Touri-Bilderaction vorm Globus durchgezogen und den zum Glück nebelfreien Ausblick aufs Meer genossen. Wirklich komisch, wenn man bedenkt, dass man auf dem letzten Stück Land zwischen Europa und dem Nordpol steht. Auch sonst wirkte alles recht ausgestorben. In unserem Fischerdorf begneten wir insgesamt nich einmal 10 Leuten in der ganzen Zeit, und da zählt die Besitzerin des Motels schon dazu. Dafür genossen wir beim rumklettern in den Hügeln die menschenleere Gegend und die letzten Sonnenstrahlen, bevor sich diese um halbfünf dann schon ganz verflüchtigte. Leider blieben wir aber auch hier erfolglos Nordlichter zu sichten. Lediglich Markus konnte mit seiner Kamera ein paar grüne Streifen am Himmel festhalten – nach 15 Sekunden Belichtung.

Donnerstags ging es dann zurück nach Finnland. Nach acht Stunden Fahrt erreichten wir Luosto in Lappland, ganz in der Nähe der Ortschaft, die wir schon mit den anderen im September besucht hatten. Dort hatten wir einen Family Room in einem Hotel gebucht, der sich dann aber als urgemütliche Blockhütte mit Sauna und offenem Kamin entpuppte. Das nutzten wir natürlich kräftig aus und durften Tags darauf sogar schon den ersten Scheefall für diesen Winter bestaunen. Während ich und Markus darüber jetzt nicht so überrascht waren, flippten unsere portugiesischen und spanischen Begleiterinnen förmlich aus und tanzten barfuß in der weißen Pracht.

Nach weiteren acht Stunden Fahrt erreichten wir dann mit Kuopio den letzten Punkt unserer Reise. Das eigentliche Ziel dort war die große Rauchsauna gewesen. Leider öffnete diese aber nur Dienstags. So blieb es bei einem ausgedehnten Kneipenbummel wo ich und Markus am Ende in einer Karaokebar landeten. Außer stark alkoholisierten Finnen gab es dort auch interessante Lieder zum Wünschen. Neben dem Standard-Karaoke-Repertoire aus Pop- und Rockklassikern gab es auch lange Listen mit Iron Maiden oder Pantera – keine Ahnung, wie Karaoke sich dazu anhören soll.

Tags darauf ging es dann wieder zurück nach good old Tampere, wo der Tag dann noch gebührend in der Metalbar Inferno Ausklang fand.

Jetzt heißt es aber wieder studieren. Dazu ist Pekko Nieminen aus London angereist um uns diese Woche in After Effects fit zu kriegen oder zumindest bei den ersten Schritten zu helfen. Dass der Mann es drauf hat, hat er schon durch die Mitarbeit an einigen großen Filmprojekten beweisen können. So stammen ein paar Explosionen beim neuen James Bond von ihm😉

Clemens


6 Kommentare so far
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ein absolut toler bericht und das gefühl das du da ne gute zeit hast🙂

grüße vom ex-schnitzel

Kommentar von theincrediblehagen

Hallo Bruder, Cooler Bericht. Ich freu mich schon auf mehr Fotos und Erzählungen…Am besten gefällt mir ja das Bild mit Deinem richtig schön eingedreckten Wagen….echt authentisch. So muss ein Wagen aussehen, der am Nordkapp ankommt… Gibts also jetzt einen Tunnel zur Insel rüber. Vor 15 Jahren gabs da nur de Fähre.

Grüße von Deinem Bruder

Kommentar von BigBrother

joahr… das nordkapp mal ohne nebel😉
http://gallery.oiwawoi.org/main.php?g2_itemId=137

so sah es bei uns im sommer aus😉

Kommentar von bernie

ps: dafür wurden uns tunnelmaut und eintritt als radfahrer erlassen…

Kommentar von bernie

seid ihr durch DEN Tunnel wirklich mit dem Fahrrad gefahren – brrrr Respekt

Kommentar von cloemi

wirklich toller bericht! freut mich dass du was erlebst bei den finnen!

Kommentar von Daniel




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