Diemedienwg’s Weblog


Bloging Bulgaria #19 – Ostern und Ferien und so by theincrediblehagen
April 26, 2008, 6:28 pm
Filed under: Bloging Bulgaria

Ja genau: In Bulgarien sind seit heute große Ferien. Die wohl größte und wichtigste Feierlichkeit steht an: Ostern. Ja Ostern. Wer in der Schule öfters gefehlt hat oder bei wem es grad in Vergessenheit geraten ist: Hier ist man orthodox geprägt und die meisten Menschen gehören der römisch-katholischen bzw. bulgarisch-orthodoxen Kirche an. Das Osterfest richtet sich nach dem julianischen Kalender und deshalb wird es erst an diesem Wochenende begangen.

Okay, ich hoffe das war irgendwie kurz und trotzdem verständlich genug, denn das ganze Fest an sich und die dazu gehörigen Rituale sind wieder einmal mehr sehr bulgarisch, also eigen(artig).

Ferien und Brücken

Doch fangen wir mit den Ferien an: Karfreitag ist kein freier Tag. Ostermontag ist frei. Der Dienstag auch. Da dieses Jahr am Donerstag darauf ja schon 1.Mai und somit „Internationaler Tag der Arbeit“ ist, also auch wieder frei, verbindet man alles gleich mit via Brückentag. Am 6.Mai feiert man in Bulgarien zudem den Georgstag. Das ist der Tag der Tapferkeit und der bulgarischen Armee. Nur logisch, das man den Montag davor als Brücke nutzt und danach einen Tag zum Ausruhen dranhängt.

De facto also ne Menge freie Tage, auch für mich. Da ich in diesen Tagen natürlich auch kein Bulgarischkurs habe, heisst das für mich zum einen selbstdiszipliniertes Lernen. Zum anderen werde ich die freien Tage für ein paar Erkundungen und Ausflüge und natürlich zum Arbeiten Schaffen Projektieren nutzen.

Ostern und Kirche

Wie bei uns besteht das Osterfest aus drei „wichtigen“ Feiertagen. Allerdings sind es in Bulgarien nicht Karfeitag, Ostersonntag und Ostermontag. Sondern der Dienstag ist von größerer Bedeutung. Karfreitag wird hier geabreitet, zumindest so halb, also bis Mittag. Spätestens gegen 16Uhr treffen sich aber Menschen Bulgarians in den Supermärkten um diese leer zu kaufen. *NERV*

Außerdem geht man, weil es so Sitte ist, in die Kirche. Vor allem bei den orthodoxen Christen hier ist das sehr nett anzuschauen: Alles drängt sich in die Kirchen, kauft eine handvoll bleistiftgroße Kerzen und steckt diese entzündet in dafür vorgesehene Halterungen im Kircheninnenraum. Danach stellt man sich brav in einer Reihe auf um nacheinander unter einem etwa 1,20m breitem, 80cm hohem Tisch durchzu kriechen. Auf dem sind unter einer Glasabdeckung „heilige Tücher“ und irgendwelche anderen Reliquien.

Leider gibts davon kein Foto, Video etc… Sieht vjeden sehr komisch aus ud was genau es damit auf sich hat, weiß sicher keiner.^^ Eingeleutet wird das Osterwochenende übrigens offiziell Freitag um 17oo Uhr.

Am Ostersamstag um 18oo Uhr, 24oo Uhr und am Sontagmorgen, ich glaube um 6oo Uhr, finden Messen statt. In diesem wird auf teils rechte eigenartige Weise Christus Auferstehung gedacht. Denn diese wird nicht einfach nur trocken gepredigt, sondern wohl auch recht häufig „nachgespielt.“

Auf der Straße begrüßen sich die Menschen zudem mit den Worten „Христос возкресе!“ („Christus ist auferstanden!“ ), worauf mit „Воистина возкресе!“ („Wahrhaftig ist er!“) geantwortet wird.

Wer nun allerdings glaubt, die Bulgaren sind DIE religösen und gläubigen Menschen vor dem Herrn, der irrt! Der gleiche Eindruck entstand auch bei mir, aber man hat mich mittlerweile mehrfach aufgeklärt:

  1. Ostern ist wie Weihnachten bei uns. Jeder geht in die Kirche, es gehört sich so, ist Tradition. Hat aber wenig mit Glauben zu tun.
  2. Den Bulgaren war es, wie anderen Post-Kommunistischen Ländern auch, bis 1990 „verboten“ einer Religon anzugehören. Mit der Wende setze eher eine Modebewegung in Richtung glauben ein.
  3. Da von einem Großteil der Bulgaren kein wirklicher Glaube vorgelebt wird (siehe 2) ist auch die jugendliche Beteiligung an kirchlichen Aktivitäten sehr gering.
  4. Die Bulgaren sind also nicht besonders gläubig oder religiös, sondern wenn dann traditionell!

Bunte Eier & Kuchen

Am Gründonnerstag werden für gewöhnlich die Eier bemalt oder wenigstens chemisch bunt gefärbt. Bis jetzt habe ich (leider) noch keine fertig-gekochten und gefärbten Eier im Supermarkt geshen. Im Gegensatz zu Deustchland, wo man die ja mittlerweile ganzjährig erstehen kann. Leider deshalb, weil ich schon germ mal wieder ein Ei essen würde, nur eben nicht unbedingt roh…

Neben den einfach gefärbten Eiern gibt es auch die schön bunt bemalten und verzierten, ähnlich den sorbischen. Ursprünglich ist das Bemalen der Eier ein Symbol für das Blut Christi und seine Aufopferung.

Eine weitere wichtige Zutat für Osterfest ist „Kozunak“ – das Osterbrot. Das ist eine Art süßes Milchgebäck, welches häufig mit Rosienen, Nüssen oder Datteln verfeinert wird. Ein bisschen ähnlich unserem „Pfingstlaib.“ Sehr lecker übrigens😉

Am Ostersonntag haben die Bulgaren übrigens noch die lustige Traditon die bemalten Eier aneinander zu schlagen und sich damit zu „battlen.“ Denn, wessen Ei ganz bleibt, der gewinnt! Wuhu…

Auch hier bleiben die obligatorischen Besuche der Verwandschaft nicht aus. Denen bringt man dann auch Eier, als Zeichen der Ehrerbietung. Setzt natürlch vorraus, dass noch welche ganz geblieben sind!

Zusammenfassend: viel Jubel und Trubel, Verwandschaft und ein Fest ganz im Zeichen des „Ei.“

Ich werd jetzt mal gucken, ob die konsumwütigen Bulgaren noch was im Supermarkt gelassen haben und versuche mir noch was Leckeres für die Tage organisieren. Im übrigen freue ich mich sehr über das recht leere Studentenwohnheim. Meine Internetverbindung ist nicht nur merklich schneller, auch das ewige, ganztägige Tschalga-Gedudel fehlt mir kein Bisschen!

TiH


2 Kommentare so far
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Danke für die schöne Beschreibung^^ Bin Bulgare^^ Meine Nachbarn hören auch dauernd Tschalga, mein Beileid das das bei dir auch so ist XD“

Man kriecht unter dem Tisch in der Kirche um zu symbolisieren das man auf dem Boden vor Jesus Christos kricht. Davor steht nämlich immer eine grosse Holzfigur vor ihm – etwa lebensgrösse, flach* Man hebt sich dann vom Boden gerade vor ihm auch, man ist auf die Knie vor Gott.
Das wiederholt man 3 mal. Und man geht immer links am Tisch vorbei, ich hab allerdings keine Ahnung warum es 3 mal sind.

Wenn man die Kirche am Samstagabend zum Sonntag (0:00 Uhr)umrundet, dann tut man das auch 3 mal. Ich glaube beides wegen dem Kreutmachen. Man tut es gegen dem Uhrzeigersinn. Davor wird in der Kirche das heilige Feuer angezündet, und das verbreitet sich dann unter den Menschen, die vor der kirche sind. Damit dreht man dann seine 3 Runden.

Gefärbte Eier gibts doch in den supermarkten oo Neuerdings sogar in den kleinen, was mich auch überascht hat dieses Jahr.
Das erste Ei das man färbt muss immer rot sein – das Symbol vom christlichen Blut. Man macht dann jedem im Haus ein Freuz auf der stirn und einen Klaks auf die Wangen. Das soll die Gesundheit erhalten.
Ausserdem wird das erste Ei bis zum nächsten Jahr aufbewahrt…oder solang wie möglich, den meins hab ich leider gleich kaputt gemacht. Je nachdem wie es dann aussieht war das Jahr/wird das Jahr sein. Wer jetzt denkt das stinkt nach einer Weile oder verdirbt, der irrt sich. Ein Jahr hat in meiner Familie ein ganzes Jahr überlebt, und danach haben wir es zerbrochen, mit Absicht. Es war wie eben gekocht o_o

Ich wünsche allen frohe Ostern^^ Und ich freue mich ehrlich das es Ausländer gibt die so viel +ber bulgarien wissen und so ein Interesse zeigen^^ Danke^^

Kommentar von Vegigi

@vegigi: ich danke dir für die aufschlussreichen erläuterungen und freue mich zumindest alles so richtig wiedergegeben zu haben😉

die bunten eier habe ich tatsächlich im supermarkt gefunden. alerdings nur als 18er-packung, was für mich alleine irnegwie zu viel war.^^

Kommentar von theincrediblehagen




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